Unerlaubte Veröffentlichung von freizügigen Privatfotos auf Facebook und Co.

Frage:

Von einer Schülerin wurden ohne ihre Zustimmung freizügige Fotos vermutlich durch ihren Freund auf Facebook hochgeladen. Mittlerweile finden sich die Bilder auch auf anderen Internetplattformen wieder und kursieren über Smartphones in der ganzen Schule.

Wie können das Mädchen und ihre Familie dagegen vorgehen und was können wir als Schule unterstützend und auch präventiv leisten?

Antwort der Experten:

Hier müssen drei Vorgänge unterschieden werden:

1.) das Entfernen der Bilder von den entsprechenden Internetangeboten
2.) die strafrechtliche Verfolgung der Tat
3.) das Stellen von Schadensersatzansprüchen

zu 1.)
Die Betreiber der entsprechenden Internetangebote sollten so schnell wie möglich kontaktiert und zum Entfernen der Bilder aufgefordert werden. Dies kann auch über einen Rechtsanwalt erfolgen.

zu 2.)
Das Mädchen wurde ganz offensichtlich zum Opfer einer Straftat. In Betracht kommen z.B. „Fotografieren im intimen Lebensbereich“ oder auch Verbreitung von Kinderpornografie. Dies sollte den Ermittlungsbehörden bekannt gemacht und Strafanzeige gestellt werden.

zu 3.)
Dem Mädchen wurde mit Sicherheit großer seelischer Schmerz zugefügt. Die weiteren Veranlassungen, z.B. die Aufforderungen zum Entfernen der Bilder von den Internetangeboten, ist mit zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Beides – Schmerzensgeld und Aufwandserstattung – sollte zivilrechtlich gegenüber den Tätern geltend gemacht werden.

Alle größeren Polizeidienststellen haben Mitarbeiter, die genau für diese Fälle zuständig sind. Der Familie ist dringend zu empfehlen, diese einzuschalten.

Beim Verdacht der Verbreitung von Kinderpornografie ist die Schule von Amts wegen verpflichtet, die Ermittlungsbehörden einzuschalten. Bei der Schwere dieser Straftat ist eine interne „pädagogische“ Behandlung rechtlich nicht mehr zulässig.

In Ergänzung könnte der konkrete Vorfall an der Schule zum Anlass genommen werden, mit den Schülerinnen und Schülern der Schule über die Themen Cybermobbing, Persönlichkeitsrechte, Schutz persönlicher Daten zu sprechen, damit allgemein klar wird, warum ein solches Verhalten (nicht nur aus rechtlicher Sicht) nicht akzeptiert werden kann. Auch ein entsprechender Elternabend könnte überlegt werden.

Das „Team Krisenbeauftragte“ des Justiziars des Ministeriums für Schule und Weiterbildungregen regt an, noch das Jugendamt durch die Schulleitung einzubinden (gemäß BKiSchG). Vorab müssten die Schülerin sowie die Personensorgeberechtigten hierüber in Kenntnis gesetzt werden. Außerdem sollte das Unterstützungsinstrumentarium der Schule (z.B. die Beratungslehrkraft) einbezogen und der Schülerin schulpsychologische Unterstützung angeboten bzw. ihr diese Möglichkeit aufgezeigt werden.