Rücknahme der Einverständniserklärung zur Veröffentlichung von Fotos

Frage:

1. Was ist zu tun, wenn nachträglich das Einverständnis zur Veröffentlichung von Fotos zurückgezogen wird? )Bsp: Eine Schulveröffentlichung in Form eines „Jahrbuches“. Was ist, wenn ein Vater später (drei Monate nach Erscheinen) seine Meinung bezüglich der Veröffentlichung eines Fotos ändert)?

Wenn das Jahrbuch bereits veröffentlicht (also verteilt) ist, ist es zu spät, um das Einverständnis zurückzuziehen. Die erteilte rechtliche Einwilligung kann also nicht mehr widerrufen werden. Immerhin können aber die Eltern (bzw. Erziehungsberechtigte) oder betroffene Schülerinnen und Schüler die Nutzung desselben Fotos sowie die Veröffentlichung neu angefertigter Fotos der Schülerin/des Schülers für die nächsten Jahrbücher verbieten.

Faustregel: Solange eine Schülerin/ein Schüler jünger als 12-14 Jahre alt ist, wird ihr/ihm die erforderliche Einsichtsfähigkeit (geistige Reife) in die Tragweite der Veröffentlichung seiner Bilder fehlen. Dann müssen sowohl er als auch seine Eltern einwilligen. Kann sie/er jedoch die Folgen der Veröffentlichung in diversen Medien abschätzen, genügt ihre/seine eigene Einwilligung. Es kommt dann nicht darauf an, ob die Eltern auch einwilligen oder nicht.

Frage:

2. Muss nachträglich gelöscht werden? Das Jahrbuch wurde bereits in 1000er-Auflage gedruckt, aber noch nicht verteilt. Muss man dann alle Fotos des Kindes schwärzen? Oder gilt die Zusage zum Zeitpunkt des Drucks (o.ä.).

Solange das Jahrbuch zwar schon gedruckt, aber noch nicht verteilt ist, kann die Einwilligung nur aus besonders wichtigen Gründen widerrufen werden.

Als besonders wichtige Gründe gelten z. B. die Wandlung der Persönlichkeit oder die Änderung der inneren Einstellung.

Sind zu diesem Zeitpunkt schon Kosten entstanden, z. B. für das Layout und den Druck, muss derjenige, der die Einwilligung widerruft, diese ersetzen. In der Praxis ist die Lehrkraft, die mit der Erstellung des Jahrbuchs beauftragt ist, häufig mit der Kamera bei Schulveranstaltungen unterwegs und fotografiert. Eine Schülerin/ein Schüler, die/der sich nicht fotografieren lassen möchte, sollte dies der Lehrkraft sofort mitteilen. Eltern, die nicht möchten, dass ihr Kind im Jahrbuch der Schule abgebildet ist, sollten dies der Schule möglichst frühzeitig melden, um Klarheit zu schaffen.

Wenn also solch wichtige Gründe vorliegen, kann entweder versucht werden, das Bild in jedem einzelnen Jahrbuch zu schwärzen, oder aber können die Schülerin/der Schüler oder deren/dessen Eltern das Verteilen des Jahrbuchs untersagen. Die betroffene Schülerin/der betroffene Schüler und ihre/seine Eltern müssen dann jedoch grundsätzlich den damit verbundenen Schaden ersetzen, also die Kosten tragen, die damit verbunden sind, dass das Jahrbuch ohne das unerwünschte Foto neu gedruckt werden muss.

Tipps:

(1) Schulen sollten schon bei der Aufnahme Eltern und Schüler schriftlich darüber informieren, dass während jedes Schuljahrs routinemäßig Fotos von schulischen Aktivitäten – und damit auch den Schülern – gemacht werden und diese im Jahrbuch und/oder auf der Homepage der Schule veröffentlicht werden sollen.

(2) Eltern und Schüler sollten in einem Formularteil ankreuzen, dass sie ggf. in die Nutzung der Fotos des Schülers zu diesen Zwecken einwilligen.

(3) Bei der Veröffentlichung von Fotos im Internet ist von einer Nennung der Namen der jeweils abgebildeten Schüler zu deren Schutz abzuraten.

2. Im Netz und auf Papier?

Sollte das Jahrbuch auch im Internet veröffentlicht worden sein, kann auch hier unter bestimmten Umständen die Einwilligung widerrufen werden, sie führt jedoch zu denselben Konsequenzen: Die/der Widerrufende muss in aller Regel die damit verbundenen Kosten tragen. Für Bilder im Netz gilt dasselbe, was auch in der Realität gilt.