Jugendschutz bei erlaubter Handynutzung auf Schulgelände

Frage:

Bei der Arbeit an einer neuen Handyordnung an unserer Schule, hat sich uns Kollegen den Medienscouts folgende Frage gestellt:

Wie können wir (Schulleitung und Lehrkräfte) bei ausgewiesenen „Handyzonen“ auf dem Schulgebäude sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler nicht jugendschutzgefährdende Seiten/ Inhalte des Internets nutzen.

Im Gegensatz zur Nutzung im Computerraum, wo man entsprechende Inhalte sperren kann, können wir dies im Falle der Internetnutzung über das Handy nicht sicherstellen.

Wie sollen wir damit umgehen?

Antwort:

Die Frage kann aus zwei Perspektiven beantwortet werden. Aus der pädagogischen und der juristischen Perspektive. Daher haben wir Experten aus beiden Bereichen um ihre Meinung gebeten.

Pädagogische Perspektive:

Damit Schülerinnen und Schüler einen verantwortungsvollen Umgang mit Handys und den Inhalten lernen, sind nicht nur technische Schutzmaßnahmen erforderlich. Wichtig ist es auch, die Themen, die zu Problemen führen können im Unterricht zu thematisieren. Dies sind Themen wie Gewalt, Pornografie, Rassismus, Mobbing, aber auch Abzocke und Handyfallen.

Material findet sich bei Handysektor und Klicksafe:

http://www.handysektor.de/

https://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/handy/index.html

Juristische Perspektive:

Aus unserer Sicht ist dies im Kern eine technische Frage. Es gibt drei denkbare Wege auf dem Schulgelände Internetinhalte abzurufen. Zum einen über die Computer im Computerraum. (Wir gehen davon aus, dass diese mittels Ethernet- Netzwerkkabel an den Internetanschluss angeschlossen, also „wired“ sind.) Bei diesem Internet-Zugang ist bereits ein Jugendschutz aktiviert.

Die zweite Möglichkeit des Internetzugangs ist ein möglicherweise in der „Handy- Zone“ vorhandener Wireless Lan Access Point (WLan). Sollte ein „surfen“ über dieses WLan möglich sein, ist entscheidend, ob dieser Internet Zugang bereits den Jugendschutzbeschränkungen des Computerraum-Anschlusses unterliegt. Wenn der Jugendschutz nur auf den PCs aktiviert wurde (mittels spezieller Software/ Kinderschutzbeschränkungen in Browsern wie z.B. Internet Explorer oder Firefox) greift dieser Schutzmechanismus logischerweise nicht, wenn ein anderes Zugangsgerät (privates Handy, IPad, Laptop) verwendet wird. Daher sollte, wenn eine solche zusätzlich Zugangsoption via WLan angeboten werden soll, der Jugendschutzmechanismus (z.B. IP Sperren, Port Sperren) auf dem Router oder einem möglicherweise zwischengeschalteten Server der Schule installiert werden. Der gesamte Traffic würde dann über diesen „sicheren Server“ laufen. Abgesehen von der Problematik möglicher jugendgefährdender Inhalte ist in solchen Fällen auch die Haftung des Anschlussinhabers für z.B. illegalen Download nicht zu vernachlässigen. Schon allein aus diesem Grund sollte der Anschluss der Schule so konfiguriert sein, dass gängige Peer-to-Peer und Downloadportale gesperrt sind.

Die dritte Möglichkeit auf dem Schulgelände Zugang zum Internet zu erhalten, ist die Nutzung eines privaten, mobilen Datentarifes. Ob ein solcher Tarif generell abgeschlossen/ genutzt wird, unterliegt allein der Entscheidungsfreiheit des volljährigen Schülers oder (bei minderjährigen) in der Entscheidungsfreiheit der Erziehungsberechtigten. Eine Kontrolle der über diesen „Anschluss“ erworbenen Internetinhalte auf dem Schulgelände ist praktisch nicht möglich, wenn die Verwendung von mobilen Kommunikationsgeräten (Handy/PDA/Tablet-PC) auf dem Schulgelände grundsätzlich erlaubt ist.

Da die letztgenannte Internet-Zugangsart nicht von der Schule angeboten, sondern durch die Schüler oder ihre Eltern ermöglicht wird, ist diese Situation vergleichbar mit andern in die Schule mitgebrachten jugendgefährdenden Schriften oder vergleichbarem Material. Die Handlungsmöglichkeiten richten sich in diesem Fall nach den allgemeinen Regeln der Schulordnung. Sollte die Situation entstehen, dass ein Schüler anderen Schülern auf dem Schulgelände den Zugang zu jugendgefährdenden Inhalten via Privat-Handy ermöglicht, ist in vergleichbarer Weise zu verfahren. Selbstverständlich ist aber eine zufällige oder routinemäßige Kontrolle von Geräten in keinem Fall zulässig. Hierbei würde die Privatsphäre der Schüler erheblich verletzt.

Wir müssen darauf hinweisen, dass wir eine Haftung für die gegebenen Hinweise nicht übernehmen können.

Wir hoffen, Ihnen damit weitergeholfen zu haben und stehen Ihnen für weitere Nachfragen gerne zur Verfügung.