Darf man Videos von Spielen (Let’s Plays) gucken, auch wenn man zu jung für diese Spiele ist?

Frage: Darf man Videos von Spielen (Let’s Plays) gucken, auch wenn man zu jung für diese Spiele ist?

Antworten der Experten:

„Die Altersfreigaben bedeuten doch nur, dass der Konsum der entsprechenden Filme oder Spiele erst ab dem entsprechenden Alter empfohlen wird, damit Kinder und Jugendliche die Inhalte ohne psychische Folgen konsumieren können und sich
rechtlich zu nichts verpflichten. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag nimmt nicht sie in die Pflicht, sondern stellt seine Straf- und OWI-Bestimmungen auf für den Fall, dass kritische Angebote zugänglich gemacht oder verbreitet werden bzw. das falsche Kennzeichnungen oder Angaben vorgenommen werden. Er nimmt also die für die Inhalte Verantwortlichen in die Pflicht. Auch Eltern haben ihrer Aufsichtspflicht Genüge zu tun und ihre Kinder von problematischen Inhalten fern zu halten.
Die Geschützten, also Jugendliche oder Kinder, machen sich nicht etwa selbst strafbar und begehen auch keine Ordnungswidrigkeiten, wenn sie die frei verfügbaren Inhalte zur Kenntnis nehmen oder konsumieren, d. h. wenn sie Filme sehen oder Spiele spielen, obwohl sie zu jung dafür sind. Für sie ist der Konsum als solcher rechtlich folgenlos.“

Aus rechtlicher Sicht:

„Diese Frage zielt auf eine jugendschutzrechtliche Beurteilung ab. Die gesetzlichen Grundlagen des Jugendmedienschutzes finden sich im Jugendschutzgesetz (JuSchG) und im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV). Da Let’s Plays in Form von Online-Videos als elektronische Informationsmedien anzusehen sind, ist der Anwendungsbereich des JMStV eröffnet. Nach § 5 Abs. 1 JMStV hat beim Verbreiten und Zugänglichmachen von Angeboten, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen, der Anbieter Sorge zu tragen, dass Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufen sie üblicherweise nicht wahrnehmen. Insofern sind insbesondere Altersfreigaben bzw. Altersbeschränkungen der zuständigen Landesbehörden bzw. der zuständigen Organisationen der Selbstkontrolle, die nach dem JuSchG getroffen und mit denen Computerspiele gekennzeichnet werden, zu beachten. Diese gelten grundsätzlich auch für bloße Auszüge oder kurze zusammenfassende Darstellungen und erfassen somit auch „Let’s Plays“.

Unproblematisch sind die Fälle, in denen die Kinder und Jugendlichen die Videos außerhalb der Schule konsumieren. Hier obliegt es kraft der elterlichen Sorge und ihres Erziehungsauftrags den Eltern, die eigenen Kinder vor problematischen
Inhalten zu schützen. Auch die Kinder und Jugendlichen selbst machen sich weder strafbar noch begehen sie eine Ordnungswidrigkeit, wenn Sie Videos von Spielen ansehen, die noch nicht für ihr Alter freigegeben sind. Adressat der entsprechenden Verbotsnorm sind nämlich nicht die Nutzer, sondern die Anbieter der Inhalte.

Schwieriger stellt sich die Situation im schulischen Umfeld dar. Lehrer sind keine Anbieter i.S.d. JMStV und werden daher auch nicht vom JMStV in die Pflicht genommen. Die Schule hat allerdings gegenüber den Schülern aufgrund des Schulverhältnisses allgemeine Schutzpflichten inne. Zu diesen gehört es wohl auch, dass die Schüler keinen Medien ausgesetzt werden, die ihre geistige und seelische Entwicklung nachhaltig beeinträchtigen können. Daher ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Alterskennzeichnung der Computerspiele auch im schulischen Umfeld allgemein verbindlich und seitens der Lehrer zu beachten ist. Dies bedeutet, dass grundsätzlich alle Schüler beim Zeigen von Videos mit Spielszenen der Altersfreigabe des Spiels entsprechen müssen.“