Veröffentlichung von Cover- und Karaokeversionen

 

Frage:

Ist es rechtlich zulässig, Coverversionen bzw. Karaokeversionen von bekannten Songs auf der eigenen Homepage bzw. auf einer Internetplattform zu veröffentlichen?

Antwort der Experten:

Im deutschen Urheberrecht ist es ausschließlich dem Urheber eines Werkes gestattet, dieses öffentlich zugänglich zu machen (§ 19a Urheberrechtsgesetz). Dabei kommt es darauf an, ob eine unbestimmte Anzahl von Personen, die sich untereinander nicht kennen, Zugriff auf das Werk erhalten. Stellt man die Coverversion eines Musikwerkes ins Internet, so kann es sich in der Regel ein unüberschaubarer Personenkreis ansehen, sodass man von einer öffentlichen Zugänglichmachung ausgehen muss und kein rein privater Gebrauch vorliegt, welcher unter Umständen nach § 53 Urheberrechtsgesetz zulässig sein kann.

Daraus folgt, dass in jedem Fall eine Vereinbarung mit dem Urheber des Musikwerkes oder, falls dieser seine Rechte durch eine Verwertungsgesellschaft (zum Beispiel die GEMA) verwalten lässt, eine Gebührenzahlung an die entsprechende Gesellschaft erfolgen muss. Es kommt nicht darauf an, ob man selbst mit kommerzieller Absicht handelt oder nicht. Nach § 23 Urheberrechtsgesetz ist die Veröffentlichung sowohl von „Bearbeitungen“ als auch von sogenannten „sonstigen Umgestaltungen“ eines Werkes von der Zustimmung des Urhebers abhängig.

Der Unterschied zwischen Bearbeitung und sonstiger Umgestaltung besteht darin, dass eine Bearbeitung die nötige Individualität aufweist, um selbst urheberrechtlich geschützt zu werden, während einer Umgestaltung die dafür
notwendige Originalität fehlt. Handelt es sich bei einem Cover um eine Karaokeversion, bei der sich lediglich der Gesang vom Originalwerk unterscheidet, ist demnach eher von einer Umgestaltung auszugehen. Letztlich ist diese Differenzierung in diesem Fall jedoch zweitrangig, da auch kreativere und aufwendiger arrangierte Coverversionen, welche bei ausreichender Individualität als Bearbeitungen anzusehen sind, bei ihrer Veröffentlichung der Zustimmung des Urhebers bedürfen.

Damit eine Coverversion als eigenständiges Werk gilt, muss sie strengen Anforderungen genügen. Es ist demnach erforderlich, dass die „Wesenszüge“ des Originals verblassen und deutlich in den Hintergrund treten, was in der Regel nicht anzunehmen ist, zumal bei einer Coverversion das ursprüngliche Werk gerade erkennbar bleiben soll.

Soweit es um eine eigene Website geht, ist die Rechtslage somit eindeutig und die Veröffentlichung von Coverversionen ist ohne den Erwerb der entsprechenden Nutzungsrechte keinesfalls zulässig. Ob die Coverversion selbst erstellt wurde oder ob es sich um eine fremde Version handelt, spielt dabei keine Rolle, da in jedem Fall eine unautorisierte öffentliche Zugänglichmachung vorliegt. Gleiches gilt auch für die Veröffentlichung von Videos auf Internetportalen wie z.B. YouTube. Zwar findet man dort viele Coverversionen von urheberrechtlich geschützten Musikwerken. Dies liegt jedoch einerseits an der schwierigen Überprüfbarkeit durch den Portalbetreiber aufgrund der enormen Vielzahl an Videos und andererseits daran, dass zahlreiche Urheber und Musikverlage die kostenfreie und publikumswirksame Werbung tolerieren. Rein rechtlich betrachtet, findet mit jeder hochgeladenen Coverversion eine Urheberrechtsverletzung statt, sofern keine Vereinbarung mit dem Rechteinhaber (z.B. dem Urheber oder der entsprechenden Verwertungsgesellschaft) getroffen wurde.

In Deutschland hat aktueller Rechtsprechung zufolge ein Internetportalbetreiber die Pflicht, Videos auf Rechtsverletzungen zu überprüfen, da er ansonsten ebenfalls haftet. Das Vorgehen gegen den betreffenden Nutzer, der das Video hochgeladen hat, ist hingegen bei anonymer Nutzung schwierig. Bei Verstößen gegen das Urheberrecht kann der Rechteinhaber Schadensersatz fordern. Dabei muss ihm nicht einmal ein konkreter Schaden entstehen, da er den Schadensersatz auch in Form einer Lizenzgebühr, die im Falle der ordnungsgemäßen Einräumung der Rechte angefallen wäre, einfordern kann.

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